Hochbegabt - na und?

Jedes Kind ist ein Genie         
Wenn wir im September unsere Erstklässler einschulen, wissen wir noch nicht, was sich hinter den gespannt blickenden Kinderaugen verbirgt. In jedem Jahr stellen wir uns die gleiche Frage: Was schlummert in jedem dieser Kinder, was will sich entwickeln? Was ist eventuell schon jetzt verschüttet oder verbogen und kann sich wieder entfalten? Was ist von der Natur angelegt, was will sich vollenden? Es ist unsere Überzeugung , dass - im humanistischen Sinne – der Genius im Kind aus sich selbst heraus dasjenige vollenden will, was die Natur in ihm angelegt hat. Unsere Aufgabe als Schule ist es, dem Kind dabei zur Seite zu stehen und die notwendigen Bedingungen zu schaffen. Mit dieser Grundhaltung begegnen wir den Kindern.

Die Förderung besonders begabter Kinder ist deshalb integraler Bestandteil unseres Schulprogramms. Sie unterscheidet sich im Prinzip nicht von der Förderung, die wir jedem anderen Schulkind auch angedeihen lassen: Die Kinder werden in jahrgangsgemischten Klassen 1/3 bzw. 2/4 unterrichtet. Montessoripädagogische Arbeitsformen bestimmen den Unterrichtsalltag während der Freien Arbeit. Bei offenen Klassenzimmertüren wird auch in den Fluren gearbeitet. Die Bewegungsfreiheit lädt auch zu geistigen Spaziergängen ein, und ganz beiläufig erhalten die Kinder Lernanregungen. Viel Projektarbeit begleitet uns durch das Schuljahr. Die Kinder bearbeiten Pflichtprogramme und ein weites Spektrum von selbst gewählten Zusatzthemen, häufig aus dem sachkundlichen Bereich. Das Belehren ist damit in den Hintergrund getreten. Statt dessen gibt es viel Platz für individuelle, kreative und selbstgesteuerte Lernprozesse. Da die Kinder mit Vorliebe mit Partnern oder in kleinen Gruppen arbeiten, gibt es viel Gelegenheit zur Entwicklung der emotionalen Intelligenz und zur Stärkung der sozialen Kompetenz.

Damit haben wir Erfolg, und dafür wurden wir im Jahr 2004 vom Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V. auch ausgezeichnet. Diese Auszeichnung hat uns Mut gemacht. Sie gab uns das gute Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.
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Angelika Raum

Dieser Artikel wurde in der Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum
des Landesverbandes Hochbegabung  Baden-Württemberg e.V. im Januar 2009 veröffentlicht