|








| |
Friedrich Silcher
Sein Leben
sein Werk seine
Bedeutung für uns
Als unsere Schule im Jahr 1954 gegründet wurde, erhielt
sie, an der Silcherstraße liegend, den Namen „Silcherschule“.
Gelegenheit für uns nachzufragen, ob der Mensch Friedrich Silcher, ob sein Werk
für unsere schulische Arbeit heute bedeutsam sein kann.
 |
Friedrich Silcher
wurde 1789 auf der anderen Seite des Schurwaldes, in Schnait, geboren.
Als Sohn des Dorfschulmeisters wuchs er in eine Zeit
hinein, die wir heute als „die gute alte Zeit“ bezeichnen. Es war die
Zeit großer Armut in der schwäbischen Bevölkerung. Eine Zeit festgefügter
Normen, eine Zeit, in der jeder wusste, wo sein Platz war.
Die Französische Revolution wirkte sich in Schnait
nicht allzu unruhig aus. Herzog Karl von Württemberg hatte die Dinge im
Griff. So verbrachte Silcher zwar keine idyllische Jugend in einer heilen
Welt, aber eine Jugend in Geborgenheit. Wie sein Vater und sein Stiefvater
wurde auch er Lehrer. Seine musikalische Begabung, sein Wissensdurst, eine
sorgfältige musikwissenschaftliche Ausbildung und die Begegnung mit
Heinrich Pestalozzi ließen die musikalische Erziehung zu seiner
Lebensaufgabe werden. nach
oben |
|
Seine Neugier, sein
Wissensdurst brachten ihm bald Anerkennung ein. So wurde Silcher im Alter
von 28 Jahren als Musikdirektor an die Universität Tübingen berufen
wurde, wo er die Seminaristen des evangelischen Stifts unterrichtete. Die
Dichter Wilhelm Hauff und Eduard Mörike gehörten hier zu
seinen Schülern. Bis zu seinem Tode 1860 blieb er dem Stift treu und trug
sehr zur Weiterentwicklung der Kirchenmusik bei.
Zudem sammelte und komponierte er Volkslieder, die
nicht selten weltweit Verbreitung fanden: Auch in Japan wird die
„Loreley“ gesungen und selbstverständlich kennt man in Australien
„Am Brunnen vor dem Tore“ und „Alle Jahre wieder“. |
Als Mensch war Silcher liebenswürdig, bescheiden, fleißig.
Ein Schwabe halt.
Obwohl im Jahr der Französischen Revolution geboren, sollte er nie
Revolutionär werden.
Wohl war er als Kind seiner Zeit ein Romantiker, aber nie war er ein
Traumtänzer. |
Friedrich Silchers Geburtshaus in Schnait
Heute befindet sich darin das Silchermuseum. |
|
Sehr wach nahm er das Geschehen um sich herum wahr,
das Geschehen jener Epoche, in der sich – anschließend an das Diktat
Kant’scher Vernunft – die Subjektivität der Menschen wieder zu Wort
meldete; in der sich die Gefühle stürmend und drängend Luft machten.
Sozial und politisch engagiert, war sein Medium das Lied. In seinem Herzen
war Silcher ein Demokrat und ein Liberaler.
Sicher war das die Voraussetzung dafür, dass er sich als Lehrer dem großen
Heinrich Pestalozzi sehr nahe fühlte. Dessen Schriften studierte er
eifrig mit dem Anliegen, die pädagogischen Vorstellungen Pestalozzis in
musikpädagogische Arbeit umzusetzen.
Der Erfolg war auf seiner Seite. Schon bald pfiffen
die Spatzen seine Lieder von den Dächern. Wie war das möglich? Silcher
hatte nichts umstürzlerisch Neues gebracht, worauf die Menschen sonst so
begierig sind. Stattdessen war es ihm gelungen, beim Komponieren und
Umkomponieren von Liedern Schwieriges einfach zu machen, ohne zu
banalisieren. So gingen seine Melodien ins Ohr
.
In den Texten seiner Lieder berührte er die Menschen in ihrer Sehnsucht
nach einer besseren Welt, in ihrer Sehnsucht nach innerer und äußerer
Harmonie. Silchers Lieder sind Sehnsucht.
Die Volkslieder, die er uns hinterlassen hat, sind sein Beitrag, Beziehung
unter den Menschen zu stiften. Dabei hat er den kürzesten Weg
eingeschlagen, den es zwischen Menschen geben kann: den Weg von Seele zu
Seele. nach oben
|

Silchers Geburtszimmer im Museum in Schnait |
Wo stehen wir heute?
Heute ist es unser Anliegen, in unserem Denken, Fühlen und Handeln Europäer
zu werden.
In der Welt des Materiellen hilft das gemeinsame Geld, uns in Europa mehr
und mehr zu Hause zu fühlen.
In der Welt der Ideen ist das komplizierter. Bei
aller Freizügigkeit, die wir genießen, ist den Menschen die Sehnsucht
nach Überwindung der Einsamkeit geblieben. Die Sehnsucht nach
Geborgenheit, nach Gemeinschaft und nach dem Gefühl, aufgehoben zu sein
in der Welt. |
|
Was also kann uns heute Friedrich Silcher sein?
Silchers Kunst war die Musik. Eine Musik, die sich nicht zum Missbrauch
eignet, weil sie nicht moralisiert. Ihr Anliegen ist das Harmonisieren und
das Zusammenführen von Menschen.
Gehen wir davon aus, dass Silcher sein pädagogisches Anliegen von
Pestalozzi übernommen hat: „Harmonie der Seelenkräfte“, so können
wir dem durchaus auch heute noch zustimmen. Allerdings bedarf es doch
einer Erweiterung.
Damals hatte Pestalozzi für den jeweiligen Stand erzogen, für die Übereinstimmung
des Bewusstseins mit den subjektiven Möglichkeiten und den objektiven
Verhältnissen.
Heute erziehen wir für eine pluralistische Gesellschaft, in der der
Einzelne seine individuelle Leistung einbringen kann. Der Weg zu diesem
Ziel kann uns führen über eine Unterrichtskultur, die sich ganz bewusst
an die Subjektivität des Menschen wendet: Eine Schulung des Verstandes
unter Beteiligung seelischer Kräfte.
Also dann: Über Pestalozzi hinaus und an Silcher
nicht vorbei
Wenn Sie noch mehr
über Friedrich Silcher erfahren möchten, klicken Sie bitte hier:.
Angelika Raum
nach
oben
|
| |
|
|